Preisträger 2022

PRIX VISARTE 2022: Atelier Rohling und Pia Heim für die Arbeit «Heim baut Werro», Bern 2021

Indem sie sich Pia Heim das Werk von Roland Werro aneignet, entsteht eine Spannung, die die Frage nach Autorschaft und Wertekriterien akut verschärft. Die Künstlerin schafft mit den Holzquadern aus dem Nachlass von Werro Begegnungsinseln im öffentlichen Raum und übt eine institutionelle Kritik, die Wertesysteme und die Kanonisierung hinterfragt. Indem diese Fragen im öffentlichen Raum gestellt werden, bekommt das Projekt eine politische Relevanz.

 

PRIX VISARTE 2022: Les Frères Chapuisat für die Arbeit «Charpentification», Nyon 2021

Das Werk «Charpentification» überzeugte die Jury als neue, prozessorientierte Herangehensweise von zwei Kollektiven: Les Frères Chapuisat, Grégory und Cyril Chapuisat, und les Nouveaux Commanditaires, eine Initiative aus Frankreich, die nun in der Schweiz Fuss fasst und Bürger:innen hilft, die Verantwortung für ein Kunstwerk zu übernehmen. Entstanden ist ein visuelles Labyrinth aus massiven Eichenbalken und gleichzeitig ein Ort der Begegnung, der Entspannung und des Spiels für Nutzer:innen aller Generationen im Parc du Buis in Nyon.

PRIX VISARTE 2022: Michael Meier & Christoph Franz für die Arbeit «Deceitful Habits in a Human's Soul», Zürich 2019

Mit dem Brunnen vor dem neuen Institutsgebäude für Banking und Finance der Universität Zürich wurde ein Werk von Michael Meier & Christoph Franz prämiert, das sich mit dem Thema Geldfluss kritisch auseinandersetzt. Das Werk stellt Elemente aus dem Trevi-Brunnen nach – Teile eines Tritons sowie eines Meerespferdes –, welche neu aus dem Metall der in den römischen Brunnen geworfenen 10-Cent-Münzen im Wert des verfügbaren Budgets von 8400 Euro gegossen wurden und stellt kritische Frage zum Thema Sponsoring von Kunst.

PRIX VISARTE 2022: Ilona Ruegg für die Arbeit «Das Fassungsvermögen», Zürich 2022

Ilona Rueggs Skulptur besteht aus zwei ineinander verzahnten Mulden, die aus gesammeltem Abfall gegossen wurden, den die Künstlerin im Arbeitsprozess des ERZ aufnehmen konnte. Die Jury wählte das Werk, weil sich die Skulptur chamäleonartig ins Umfeld einpasst und sich gleichzeitig gegen die absolute Schönheit des Gebäudes von Entsorgung und Recycling Zürich wehrt.

PRIX VISARTE HISTORIQUE 2022: Judith Albert für die Arbeit «Signale», Sarnen 2006 

Judith Alberts akustische Arbeit, eine Pausenglocke für die Berufsschule Sarnen, die aus gesammelten Klängen von umliegenden Kirchtürmen und Kuhweiden nach einem Parameter immer wieder neue Klänge generiert, wurde von der Jury als mutiges Werk, das ein verändertes Zeitgefühl im Bauensemble schafft, prämiert.

PRIX VISARTE HISTORIQUE 2022: Raphael Hefti für die Arbeit «La Maison violette bleue verte jaune orange rouge», Arles 2014

Raphael Heftis Lichtarbeit auf dem Dach der Fondation Van Gogh in Arles überzeugte als andere Form der Malerei. Eine moderne Lichtdecke, die an alte Museen erinnert, das Gebäude funktional beschattet und gleichzeitig im Innenraum durch Sonne und Wolken ein kaleidoskopartiges, changierendes Lichtspiel zaubert, das im Widerspruch zum offengelegten schweren und hässlichen Aufbau auf dem Dach steht.